Nahrungsergänzungen im Heimtier-Fertigfutter - ein Ersatz für Obst und Gemüse?

 

 

THP Michael-Alexander Kempa

 

Eine Untersuchung zu den Aussagen auf Fertigfutter-Verpackungen bezüglich Antioxidanzien -
unter der besonderer Berücksichtigung von tumorbildenden Krankheiten.

Die häufigste Todesursache bei Hunden und Katzen ist Krebs mit vorausgehender Niereninsuffizienz unterschiedlicher Ausprägung. Die neusten Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass diese Erkrankungen, wie auch sehr viele andere, mit dem verstärkten Auftreten von freien Radikalen zusammenhängen. Gleichzeitig ist auch nachgewiesen worden, dass eine Ernährung, die reich an „Radikalfängern“ ist,  eine wirksame Prävention gegen die Tumorbildung entarteter Zellen darstellt. „Radikalfänger“ werden als Antioxidanzien definiert. Antoxidanzien sind natürliche, chemische Verbindungen, die hauptsächlich in Obst und Gemüse vorkommen. Sie zählen zu einer der wichtigsten Abwehrfunktionen des Körpers gegenüber toxisch wirksamen Stoffwechselmetaboliten. Reich an Antoxidanzien sind vor allem Obst und Gemüse mit ihrem Gehalt an Bioflavonoiden und Carotionoiden, sowie mit natürlichem Vitaminen, vor allem mit Vitamin C und Vitamin E. (Sind Obst und Gemüse aus biologischem Anbau geerntet, sind sie noch wertvoller durch den Gehalt an Bio- Photonen)


In diesem Zusammenhang werden aber auch Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten, synthetisch hergestellten Vitaminen diskutiert, die genau so wirksam als Antioxidanzien sein sollen. Stimmt diese Aussage?
Zur Beantwortung dieser Frage ist es sinnvoll, zuerst den Herstellungsprozess des Heimtier -Fertigfutters kurz zu beschreiben:

 



Chemisch hergestellte Nahungsergänzungsmittel in allen Heimtier-Fertigfutterprodukten



Nahrungsergänzungsmittel, die in der Verpackungsaufschrift der Futtermittel als Zusatzstoffe gekennzeichnet werden, sind dem Trockenfutter für Hunde und Katzen nach dem Pellet-Produktionsprozess aufgesprüht. Die hohe Erhitzung beim Herstellungsprozess machen die verwendeten Rohstoffe so gut wie wertlos. Es wird deshalb versucht, durch die Supplementierung von einzelnen Zusatzstoffen, die beim Erhitzen verloren gegangene Nährstoffdichte wieder zu erreichen. Diese Zusatzstoffe sind ebenfalls gekennzeichnet und auf den Verpackungs-Etiketten vermerkt. (Vitamine, Mineralien, Spurenelemente)
Die Erhitzung erfolgt bei den eiweißhaltigen Zerealien unter Hochdruckwasserdampf mit teilweise bis zu 250 Grad. Die Kohlenhydrate werden dabei aufgeschlossen, das Eiweiß jedoch größtenteils denaturiert (zerstört in der Molekülstruktur) und die gesamten Vitamine ebenfalls. Erhalten bleiben lediglich die anorganischen Spurenelemente, die als Rohasche bezeichnet werden. Anschließend wird das Wasser größtenteils wieder entzogen und danach die Vitamin- und Mineralstoffvormischungen zugefügt.
Dabei handelt es sich zum Beispiel bei den verwendeten Kalziumsalzen um das anorganische, schwer lösliche Kalziumkarbonat oder das ebenso schlecht resorbierbare Kalziumphosphat. (1) Dies hat ausschließlich monetäre Gründe. Rohstoffe mit höherer Qualität würde das Fastfood-Produkt für den Endverbraucher viel zu teuer, und damit unattraktiv machen. Auf den Etiketten steht deshalb dann einfach „Kalzium“.

 

 

Die Bioverfügbarkeit im Organismus - in der Tiermedizin leider kein Thema

 

Die tatsächliche Zusammensetzung der Supplemente (Zusatzstoffe) im Fertigfutter der Heimtiere in Bezug auf die verwertbare Bioverfügbarkeit im Organismus wurde noch nie in veterinärmedizinischen Studien untersucht. Die Zusammensetzung der vielen Fertigfutterprodukte unterliegt auch keiner staatlichen Kontrolle und ist größtenteils aus der Schweinemast übernommen worden. (1)




Krebsminimierung durch natürliches Obst und Gemüse?



Unter der Arbeitshypothese, dass aber natürliche Antioxidanzien das Risiko an Krebs zu erkranken stark minimieren, ist eine Diskussion über die ernährungsabhängige Ursache an den häufigen Tumorbildungen der Kleintiere mehr als sinnvoll.
Mangels veterinärmedizinischer Datenlage wird im Rahmen dieser Ausführungen vom Verfasser deshalb auch auf Studien der Humanmedizin zurückgegriffen, soweit diese auf Tiere übertragbar sind.

 

 

Krebs- eine sehr alte Krankheit

 

Aus Skelett- und Mumienfunden ist es bekannt geworden, dass es sich beim Krebs um eine sehr alte Krankheit handelt. Noch bis vor 100 Jahren wusste man sehr wenig über die tumorbildenden Krankheiten.
Heutzutage sind jedoch viele Erkenntnisse auf Grund der hohen Erkrankungsraten gewonnen worden. Man weiß heute, dass alle Gewebe des Körpers potentiell in ihrem Zellwachstum entgleisen und einen Tumor bilden können. Je nach Ursprungsort und Zelltyp werden mehr als 100 verschiedene Krebsarten unterschieden.

 

 

Eine der häufigsten Ursachen von Krebs: Die freien Radikalen

 

Die Ursache der meisten Krebserkrankungen sind Schäden im genetischen System der Zelle, die u.a. durch freie Radikale ausgelöst werden. Die freien Radikalen werden durch eine Reihe von niedermolekularen Substanzen, den Antioxidanzien gestoppt. Diese stellen eine der vielen Abwehrmechanismen des Körpers dar.

 

 

Definition der freie Radikale

 

Für den Begriff „freie Radikale“ gibt es bis jetzt noch keine allgemein gültige Definition. Chemisch gesehen sind es Atome, Moleküle oder Molekülbruchstücke, bei denen nicht alle Elektronen gepaart vorliegen. Durch das einzelne oder die zwei ungepaarte vorliegende Elektronen sind Radikale besonders reaktiv. Aufgrund dieser Reaktivität greifen sie andere Moleküle im Organismus an und schädigen sie.

 

 

Wo bilden sich freie Radikale?

 

Radikale werden während der Reduktion von Sauerstoff in der Atmungskette gebildet. Sie entstehen bei der Synthese bestimmter Proteine. Sie bilden eine Gefahr für den Organismus, da sie alle relevanten Moleküle (DNA, RNA; Fettsäuren etc) angreifen und dadurch deren Funktion beeinträchtigen oder zerstören.

 

 

Sekundäre Pflanzenstoffe = antioxidative Wirkung

 

Die Rolle der sekundären Pflanzenstoffe als antioxidativer Schutz in der Krebsprävention, wurde in den letzten Jahrzehnten in der Humanmedizin immer genauer erforscht. Block (2) erstellte einen Überblick über ca. 200 epidemiologische Studien, in denen die Beziehung zwischen dem Verzehr von Obst und Gemüse und verschiedenen Krebsarten untersucht wurde. In 128 von 156 Ernährungsstudien zeigte der Verzehr von Obst und Gemüse signifikante, positive Effekte.


Das Risiko an Krebs zu erkranken, war für Personen mit einer obst- und gemüsearmen Ernährung doppelt so hoch.
In anderen Studien wurde ein signifikanter Schutz vor Lungenkrebs nachgewiesen. Obst und Gemüse erwiesen sich auch besonders schützend gegen Speiseröhrenkrebs und Krebs in der Mundhöhle mit verschiedenen Ausformungen. In 26 von 30 Studien gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs und Magenkrebs, in 23 von 28 Studien gegen Blasenkrebs.(2)

Eine finnische Untersuchung an 9959 Männern und Frauen von 15 bis 99 Jahren zeigte eine Beziehung zwischen der Aufnahme von Flavonoiden und dem Auftreten aller Krebsarten. (3)

 

 

Protektiver Effekt in Obst und Gemüse nachgewiesen

 

Der schützende, protektive Effekt von Antioxidanzien erscheint somit zurzeit bewiesen und eine antioxidanzienreiche Ernährung mit Obst und Gemüse sinnvoll.

 

 

Pillen statt Obst und Gemüse- immer sinnvoll?

 

Die Frage, die sich im Zusammenhang mit dem protektiven Effekt von Antioxidanzien nun stellt: Hat die Einnahme von einzelnen Substanzen, wie dies bei Nahrungsergänzungsmitteln der Fall ist, den gleichen antioxidativen Effekt wie der Verzehr ganzer Lebensmittel bzw. deren Mischung und Kombination?
Es ist eine Datenlage aus Studien vorhanden, dass Nahrungsergänzungspräparate nicht den gleichen positiven Effekt haben wie eine obst- und gemüsereiche Ernährung. Oder anders ausgedrückt: Es ist bis heute noch nicht gelungen, einen Apfel in seinem ganzem Wirkstoffspektrum im Labor nachzubauen.
So scheinen singuläre, isolierte Antioxidanzien, die in klinischen Tests untersucht wurden, keine präventiven Wirkungen gegen Krebs zu haben. Denn isolierte Reinsubstanzen verlieren sehr schnell ihre Bioaktivität oder verhalten sich biochemisch anders, als in Kombination mit weitern Stoffen, wie es in natürlichen Lebensmitteln der Fall ist.


Viele Untersuchungen brachten das Ergebnis, dass das Krebsrisiko signifikant sinkt, bei der Aufnahme von grünen, roten und gelben Obst - und Gemüsesorten.

Isoliertes Beta-Karotin, das in diesen Arten besonders hoch vertreten ist, wurde dann intensiv als möglicher krebspräventiver Faktor untersucht. Nach neueren Studien wurde dieses einzelne, isolierte Beta-Karotin jedoch nicht als Antikrebsfaktor identifiziert. (4)
Auch die Verabreichung von reinem, isoliertem Vitamin C konnte die Erkrankungsrate an Krebs nicht senken. Auch nicht bei Herz- und Kreislaufproblemen.

Es ist also mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass erst die natürliche Kombination von Antioxidanzien in Obst und Gemüse für deren hohe antioxidative Aktivität sorgt.
Bei einer weiteren Untersuchung ergab sich, daß Pflaumen die höchste antioxidative Aktivität haben. Eine Kombination von verschiedenen Obstsorten ergaben jedoch noch höhere Aktivitäten. Man schließt daraus, dass die positiven Wirkungen erst bei einer komplexen Mischung von Antioxidanzien auftreten.

 

 

8000 Pflanzliche Stoffe können nicht nachgebaut werden

 

Diese Ergebnisse weisen auch darauf hin, warum einzelne Antioxidanzien, auch in Kombination, nicht die natürlichen Kombinationen in Lebensmittel ersetzen können. Es gibt ca. 8000 Pflanzenstoffe in Obst und Gemüse, die sich in Molekulargröße und Löslichkeit unterscheiden. Diese Unterschiede beeinflussen die Bioverfügbarkeit und die Verteilung der Antioxidanzien in den Organellen, Zellen, den Geweben und in den Organen. Dies bedeutet: Tabletten und sonstige pharmakologischen Darreichungsformen können diese ausbalancierten Kombinationen nicht in gleicher Weise ersetzen, da es bis jetzt nicht gelungen ist, die Komplexität aller 8000 Pflanzenstoffe „nachzubauen“.

Gewisse Fortschritte auf dem Gebiet der Erforschung von Antioxidanzien hat die industrielle Produktion von Nahrungsergänzungspräparate jedoch forciert. Der Markt für diese Produkte wächst und wächst und kommt den Gewohnheiten der heutigen Gesellschaft mit ihrem selbst auferlegten Zeitdruck auch in der Lebensführung entgegen.
Viele dieser Produkte wurden auf der Basis chemischer Analysen, in vitro Untersuchungen, und vor allem in Tierversuchen entwickelt.

 

 

Nahrungsergänzungen- welche Menge ist sinnvoll?

 

Wenn schon Nahrungsergänzungspräparate genommen werden, welche Mengen sind dann sinnvoll? Natürliche Antioxidanzien in Obst und Gemüse bieten schon in geringen Konzentrationen gesundheitliche Vorteile, aber höhere Dosen könnten kontraproduktiv sein. Dies gilt
natürlich erst recht für Ergänzungspräparte. So können höhere Dosen auch toxisch wirken. Dieses Prinzip fasste schon der Arzt und Chemiker Paracelsus zu seinen berühmtesten Lehrsatz zusammen: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding ein Gift ist“. Nahrungsergänzungen stellen von diesem universellen Prinzip keine Ausnahme dar.

 

 

Die Menge - pharmakologisch oder physiologisch

 

Im Zusammenhang mit der Menge ist es auch von Bedeutung, zwischen der pharmakologischen Dosis und der physiologischen Dosis zu unterscheiden.
Pharmakologische Dosen werden klinisch genutzt, um spezifische Krankheiten und defizitäre Unterversorgung zu behandeln. Sie benötigen eine ärztliche oder therapeutische Anordnung. Physiologische Dosen, wie bei Nahrungssupplementen, werden benutzt, um gesundheitsfördernde Prophylaxe durchzuführen. Da die pharmakologische Dosis nicht gleich der physiologischen Dosis ist, kann sie u.U. auch toxisch wirken.

Eine Studie an 30 Personen, deren Nahrung täglich mit einer Dosis von 500mg Vitamin C supplementiert wurde, zeigte eine oxidative Schädigung der aus Lymphozyten isolierten DNA. Dies nährt den Verdacht, dass Vitamin C in größeren Mengen (ab 500mg pro Tag) zur Oxidation im Körper führt.

 

 

Die Ergebnisse sind auf die Tierernährung übertragbar

 

Es steht damit außer Zweifel, dass durch die Ergänzung der sterilen Trockennahrung unserer Heimtiere mit synthetischen Vitaminen, selbst mit der Ergänzung von natürlich isolierten Vitaminen, keine wirksamen Antioxidanzien zur Prophylaxe von Krebskrankheiten vorhanden sind. Verpackungsaufschriften der Fertigfutter-Marken mit dem Hinweis „mit natürlichen Antioxidanzien“ sind somit für diejenigen entwickelt worden, die sich mit der Definition und der biochemischen Wirkung der Antioxidanzien nicht befasst haben, und das sind die Meisten der Kleintierhalter. Das ist den Fertigfutter-Herstellern durch Kundenstudien und Käuferzielgruppenbestimmung selbstverständlich bekannt.

 

 

Differenzierung bei nährstoffbedingten Defiziten oder Malabsorbtion des Darmes

 

Davon zu unterscheiden ist die Aufnahme pharmakologischer Dosen bei einer defizitären Unterversorgung von Substraten. (orthomolekulare Medizin) So zum Beispiel zur Auffüllung unterversorgter körpereigener Mineralstoffdepots. Sie sollten jedoch ebenfalls nicht therapeutisch unkontrolliert über längere Zeit eingenommen werden, es sei denn, es herrscht eine Malapsorption vor. Primär sollte dann die Ursache untersucht werden, wie es zum Mangel an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen gekommen ist.

 

 

Fazit:

 

Die vorliegenden Erkenntnisse wissenschaftlicher Studien weisen darauf hin, Antioxidanzien zur Krebsvermeidung in Form einer natürlichen Nahrung, vor allem mit Obst und Gemüse aufzunehmen. Eine ausschließliche Verabreichung der künstlich hergesellten Vitamine wie im Heimtier - Fertigfutter oder in Ergänzungsfuttermitteln, hat auch nicht annähernd den gleichen antioxidativen Schutz vor Krebserkrankungen und anderen Pathologien. Eine natürliche Ernährung unserer Heimtiere sollte schon aus diesem Grund oberste Priorität haben bei jedem Tierhalter. Leider sieht die Wirklichkeit anders aus. Der Deckungsgrad mit industriellem Fertigfutter beträgt mittlerweile 95% aller Haushalte, in denen Hunde, Katzen und Nager leben!
Die Mortalität bei den tumorbildenden Krankheiten liegt parallel dazu bei 58% aller Hunde und Katzen, Tendenz stark steigend.

 

 

Literaturverzeichnis:

 

  1. Block, G, Patterson, B, Subar.
    Fruit, vegetables and cancer prevention: a review of the epidemiological evidence,
    Nutr.Cancer 1992, 18 (1) 1-29

  2. Knekt P.Jarvinen,R,Seppanen: Dietary flavonoids and the risk of long Cancer and other malignant
    neoplasm. Am.J.Epidermiol 1997, 146: 223-230

  3. Omen G.S. Goodmann, G.E. Thornquist M.D: et.al.Effects of a combination of ß-carotine and Vitamin A
    on long cancer and cardiovascular disease N.Engl.J.Med. 1996, 334: 1150-1155

  4. Kerstin Höner, Rinaldo Cervellati:
    Freie Radikale, Antioxidanzien und die oszillierende Briggs-Rauscher-Reaktion

    .
  5. Dr.med. Köhler, Freiburg, naturheilkundlicher Internist:
    Die Grundlagen des Lebens: Stoffwechsel und Ernährung

  6. Dr.med. Köhler,Freiburg, naturheilkundlicher Internist:
    Synergistisch-biologische Krebstherapie