Praktikum der TCM-Vorlesung vom 25.3.2007

 

 

Paracelsus Schule Mannheim

 

Jaque

 

Bild: Jaque nach unserer Akupunkturbehandlung

 

Unserer Patient: Jaque


Labrador-Rüde, 13 Jahre alt,
Krankheitsbild:

 

  • Hüftgelenksdysplasie beidseitig.
  • Kreuzbandriss, operativ behandelt.
  • Neigt zu schneller Gewichtszunahme.
  • Chronischer Ausfluss aus der OP-Wunde.
  • Er wurde erfolgreich von der Halterin nachbehandelt.
  • Aktuelle Ernährung:
  • Diät-Büchsenfutter vom Tierarzt.
  • Aktuelle Medikation: Ephedrin vom Tierarzt.
  • Homöopathie (Silecea) von der Tierbesitzerin.

 

 

 

 

Vorbemerkung: Das Medizinsystem der TCM:

 

Im antiken China wurden die Ärzte danach entlohnt, in wie weit sie in der Lage waren, ihren Patienten ein krankheitsfreies Dasein bis ins hohe Alter zu gewährleisten. (!!) Aus diesem Grund hat die Vorsorge in der Traditionellen Chinesischen Medizin so einen bedeutenden Stellenwert.

 

 

Die großen Gelenke: Knotenpunkte der energetischen Vernetzung

 

Kniemeridiane

 

Bild:
Schlechte Verdauungsenergie führt zu energetischer Unterversorgung der Meridiane.

 

Am Knie treffen sich viele Leitbahnen, um die Belastungen dieses großen Gelenks aufzufangen.

 

Man kann die Leitbahnen (Meridiane) auch als ein System der Vorsorge betrachten. An ihnen ist zum Beispiel schnell zu erkennen, an welchen Stellen im Körper besonders viel Energie benötigt wird. Das sind u.a. die großen Gelenke: Oberarmgelenk, Hüftgelenk und das Kniegelenk. Genau an diesen Stellen  laufen sehr viele Meridiane nebeneinander und innervieren diese wichtigen Körperzonen mit Energie. Es sind diese:


Am Knie außen: Magenmeridian, Gallenblasenmeridian,

Am Knie innen: Milz-Pankreas-Meridian, Lebermeridian, Nierenmeridian

Man erkennt an den Namen der Meridiane den Bezug zum Verdauungssystem.

 

 

 

Die Energie der Meridiane: Nur so gut wie die Verdauungsenergie

 

Hat nun ein Tier wie Jack an seinem  Hüft- und Kniegelenk sehr große Probleme, so hängen diese sekundär mit der gestörten Meridianenergie zusammen, die seine Problemzonen vernetzen.
Primär jedoch vor allem mit einer defizitären Ernährung, die dem Körper nicht genügend Energie liefert, diese großen Gelenke ausreichend zu versorgen. Darüber hinaus ist es ihm durch die Anflutung von schlechter
Verdauungsenergie auch nicht mehr möglich, sein Bindegewebe zu entgiften. Leber- und Niere sind überfordert, daraus resultieren schleichende Degenerationen der  Körpergewebe. Dazu kommt erschwerend, dass die Niere aus rein physiologischen Gründen mit zunehmendem Alter an Filtrationsleistung einbüßt. Als weiteres Problem sind die toxischen Bestandteile im Fertigfutter, die von den Nieren nicht mehr bewältigt werden.
Die Neigung zum Übergewicht kann mit den Fettkonservierungsstoffen erklärt werden, die dem Fertigfutter zu gesetzt werden. Sie konservieren auch das Körperfett des Tieres. Daraus resultiert ein insgesamt defizitärerer Fettstoffwechsel.

 

 

Therapieempfehlung

 

Wir gaben der Besitzerin von Jaque, die sehr kooperativ und aufgeschlossen war, folgende Empfehlungen:

 

  • Jaque eine optimierte Ernährung zukommen lassen.

  • Die verordnete Diät-Büchsenkost ersetzen durch frische Nahrungsmittel. Diese Ernährung sollte die Kraft der Nieren wieder stärken. In den Nieren liegt die Gesamtkonstitution des Körpers. Die Nieren gehören außerdem zum Funktionskreis Wasser, der die Knochen und Gelenke energetisch versorgt.

  • Die Ernährung sollte so wenig wie möglich eine körpereigene Endotoxinbildung produzieren, die auch die Leber in Mitleidenschaft zieht. Die Bänder (Kreuzbänder) gehören zum Funktionskreis Holz, in dem die Leber ernährt wird.

  • Zusätzlich geeignete Nahrungsergänzungsmittel dem Tier reichen.

  • Ausgesuchte und repertorisierte Blütenessenzen in Form von Blütenpunktur dem Körper zuführen. Ebenfalls möglich: Traditionelle Verabreichung.

  • Das Problem der schnellen Gewichtszunahme dürfte mit der Verabreichung von hochwertigen, frischen und ernährungsphysiologisch wertvollen Ölen mit der Zeit besser werden.

  • Die aufbauende Ernährung unterstützen mit einer qualifizierten Akupunkturbehandlung.

 

 

Jaque

 Bild: Jaque nach der Massage und Akupunktur:

„Schon vorbei ?“

 

 

 

Manuelle Therapie für Jaque: Osteopathie - der Abbau von Barrieren

 

Die Osteopathie unterscheidet drei Bereiche:

 

 

  1. Das partiale System, lat. Paries, die Wand, es bezeichnet das Stützsystem des Körpers: Knochen, Muskeln, Faszien

  2. Das craniosacrale, lat. Cranium, der Schädel, lat. os sacrum, der heilige Knochen. Das craniosacrale System beinhaltet in der Osteopathie die rhythmische Beachtung der zerebrospinalen Flüssigkeit des Gehirns und des Rückenmarks.

  3. Das viszerale System lat. Viszera = Eingeweide. Zum viszeralen System zählen die inneren Organe mit ihren bindegewebigen Hüllen und Platten, das Gefäßsystem mit Blut und Lymphe, sowie das Nervensystem.

 

Die Osteopathie betreibt einen Filterungsprozess und beurteilt die drei Systeme hinsichtlich möglicher Fehlfunktionen. Sie wird versuchen, die Fehlfunktion 1. Ordnung zu identifizieren. Denn die Ursprungsstörung kann weitere Fehlfunktionen (Läsionen) nach sich ziehen, das wären dann die Fehlfunktionen 2.Ordung usw.

So ist es bei Jaque sehr wahrscheinlich, dass durch die Fehlfunktion 1. Ordnung, nämlich des Hüftgelenks, die Bänder des Knies zu stark beansprucht wurden, dadurch waren diese in ihrer Elastizität erschöpft und sind gerissen.
So können, von der einseitigen statischen Beanspruchung abgesehen, die bindegewebigen Fasziensysteme der Hintergliedmaße die Störung des Hüftgelenks in alle anatomischen Teilbereiche tragen. Dazu gehören vor allem auch die inneren Organe (viszerale Organe).

 

 

Die osteopathische Therapie für Jaque:

 

 

  1. Palpation der Lendenwirbelsegmente, Prüfung auf erhöhte Zugspannung. Sie kann weite Muskelregionen unter unphysiologischen Druck setzten.

  2. Entspannung der Brustwirbelsäule mit myosfaszialer Lösetechnik.

  3. Craniosacrale Technik, beginnend mit leichter Massage des gesamten Wirbelsäulenbereichs, danach die tiefere Untersuchung auf Stauungen in der cerebrospinalen Flüssigkeit.

  4. Viszerale Technik: Harmonisierung der Eigenbewegung des Darmes und der Niere.

 

 

 

Nähere Erläuterung zu Punkt vier, der viszeralen Technik

 

Die Nierenkapsel liegt mit einem wichtigen Muskel in Verbindung, dem Hüftbeugemuskel Muskulus psoas. Darüber hinaus ist sie unter vielem anderen) mit Bändern, den Ligamenten, direkt mit dem Zwerchfell verbunden. So wird bei jeder Atembewegung die Niere um drei Zentimeter bewegt. Bei durchschnittlich 15 Atemzügen pro Minute sind das etwa 600m pro Tag. Bei Becken- oder Wirbelsäulenproblemen reagiert der Muskulus psoas mit einer vermehrten Anspannung. (Hypertonus) Dauert diese Anspannung länger, vor allem bei deiner Bewegungsstörung der Hüftgelenke, kann sie den Gleitmechanismus der Niere auf dem Hüftbeugemuskel beeinträchtigen.
Da Spannungsverhältnisse auch auf andere Strukturen übergleiten, wird vor allem die Nierenkapsel und später auch die Niere selbst in die vermehre Spannung miteinbezogen. Die Niere muss mehr Energie zur Aufrechterhaltung ihrer Beweglichkeit investieren, je nach Schwere ihrer Behinderung durch die umgebende Gewebespannung kann sie in ihrer gesamten Funktion beeinträchtigt werden. Daraus resultieren wieder neue renale Beeinträchtigungen, die u.U. zu einer urämischen Polyneuropathie führen können durch Anstieg der harnpflichtigen Substanzen im Serum.

Aus diesem Grund beinhaltet die Synergetik von

 

  • 5-Elemente Ernährung

  • Osteopathie

  • Akupunktur

 

folgende Heilwirkungen:

 

  • 5-Elemente Ernährung: Der Körper bekommt wieder eine gesunde und genau angepasste Stoffwechselfunktion. Das ist die Basis jeder weiteren Therapie. Ohne diese Basis wird auch keine weitere Therapie erfolgreich ausgeführt werden können. Es werden u.U. Symptome gelindert, dies hat aber nichts mit einer ganzheitlichen Heilbehandlung zu tun.

  • Osteopathie: Mit Hilfe der Osteopathie werden die Spannungsverhältnisse durch die Läsionen des Bewegungsapparates gemildert. Dies beinhaltet auch die aufgestaute Bewegung der viszeralen Organe, hauptsächlich des Darms, der Leber und der Niere.

  • Akupunktur: Mit Hilfe der Akupunktur wird das energetische Gefüge des Körpers in eine Harmonie gebracht und die osteopathische Behandlung stabilisiert. Ohne die Akupunktur wäre dies nur eingeschränkt möglich. Darüber hinaus stellt die Akupunktur durch die konstitutionellen Nieren-Jing-Punkte eine hervorragende Möglichkeit dar, Jaque noch lebenswerte Jahre zu ermöglichen.