Die manuelle Therapie

 

 

Physiotherapie, Osteopathie und Massage

 

Tensegrity-Modells

 

Bild:

Kompression (Druck nach innen) und integrierte Spannung nach außen in einem Tensegrity-Modell nach Professor Neukrich.

 

Die Statik des tierischen Körpers mit seinen Bewegungen und Belastungen sind anschaulich zu verstehen bei der Betrachtung eines Tensegrity-Modells.

 

Tensegrity:
Tension = Spannung und Integrity = Integrität.

 

 

Was bedeute Tensegrity?


Das Tensegrity hat Strukturen, die ihre Stärke durch gleichmäßige Weiterleitung von Spannung erhalten. Sie sind definiert durch konstante Zugspannung und lokale Kompression.

 

 

Beispiel aus der Architektur

 

Man kann dies an den Bauten von  Architektur-Professor Frei Otto  betrachten und bestaunen. Er hatte schon vor 35 Jahren die  filigranen, sehr feinen Strukturen seiner Bauwerke extrem hohen Belastungen ausgesetzt. (Münchner Olympiazeltdach, Dach des berühmten Affengeheges im Münchner Zoo) Sehr zum Staunen von damaligen skeptischen „Experten“, halten die Tragwerke bis heute. Bei Frei Otto gibt keine „Bauschäden“, auch keine späteren statischen Belastungsprobleme durch Witterungseinflüsse. Sein Vorbild waren biologische Tensegrity-Strukturen aus der Natur, vor allem des menschlichen, sowie des tierischen Skeletts. Auch aus dem Planzenreich und der Welt der Insekten hat er sich die „Baupläne“ abgeschaut und an seinen weltweit berühmten Gebäuden angewandt.

Zurück zur manuellen Therapie für Tiere:

 

 

Der Tierkörper und das Tensegrity

 

Das Fasernetz eines Tierkörpers arbeitet wie eine lebende Tensegrity- Struktur.
Die Knochen dienen als Element der Kompression und die Faszien sind die umgebenden Spannungselemente. (Druck und Spannung hält das Gebäude des Körpers zusammen) Die knöchernen Anteile drücken also nach außen, zum Abstand halten. Der Tonus, die Grundspannung der Muskeln und der Faszien, drückt nach innen. Alle zusammen übertragen Spannungsinformationen, nach denen sich die Knochen und Gelenkeausrichten. Bei Problemen des festen Gewebes wie der Knochen und Gelenke, muss also die Spannung der Muskeln immer zusätzlich in Betracht gezogen werden.
Können wir diese Spannung beeinflussen, nehmen wir auch Druck von den Gelenken. Dadurch kann das gesamte System wieder in die Balance kommen.
Aber ein Tierkörper ist noch viel komplexer und komplizierter als ein Tensegrity-Modell: Es gibt hier noch den Einfluss der Psyche, der ebenfalls auf das Spannungsgefüge sehr stark einwirkt.

 

 

Fallbeispiel

 

Hier sieht man, dass es nicht sinnvoll ist, ein Problem nur von einer Seite anzugehen, sei es von der schulmedizinischen Sichtweise oder von der naturheilkundlichen. Wir werden dem Patienten nur gerecht, wenn wir einen systemischen (Ganzheitlichen) Ansatz durchführen, der Körper, Geist und Seele miteinander vereint.

 

 

Angst, Aggression und die Schädigung der Gelenke

 

Anamnese: Leah, eine erst 6 jährige Colliehündin. Der Tierarzt diagnostizierte eine partielle (nicht vollständige) Ausrenkung der Schulter. Das Gelenk sei schon ziemlich beschädigt, deshalb hinke die Hündin vorne deutlich.

 

 

Verhalten der Hündin:

 

Kinder und Jugendliche griff Leah öfters an, nach Erwachsenen schnappte sie, wenn sie sich ihr unerlaubt näherten. Leah machte einen latent aggressiven und unglücklichen Eindruck. Das Tier hatte chronischen Durchfall, mal mehr, mal weniger.


Gangdiagnose: Leicht geduckt, hinkend, Tendenz einseitig schmaler zu stehen. Die eine Körperhälfte schien wie eingedrückt. Rute und Nacken waren auf der Gegenseite leicht abgebogen, wahrscheinlich zur Kompensation verlorener Balance.

Durch diese Kompensation entstehen oft weitere Schmerzen zwischen Rumpf und Nacken oder im Kreuzbereich nahe der Hüfte.

Bei Tieren ist die Funktion der Hüfte mit derjenigen der Schulter eng verbunden. Sehen Sie sich bitte dazu den Verlauf des Gallenblasenmeridians an in einem Lehrbuch der Traditionellen Chinesischen Medizin. Viele Hüftbeschwerden haben deshalb auch mit Schulterproblemen zu tun, weil dieser Meridian die beiden großen und wichtigen Körpergebiete, Schulter und Hüfte, durchzieht. Die Strukturen der Muskeln bekommen von diesem Meridian die Energie, um harmonisch zu arbeiten.

Leah hielt ihre Rumpfmuskeln einseitig stark angespannt. Dies war dem Tier zur Gewohnheit geworden. Dieses Symptom nennt man Schutz- oder Schonmuster.
Da die Muskulatur nur spannen kann, wenn sie aus dem Nervensystem Energie in Form von Strom erhält, ist es sicher, dass das Nervensystem in manchen Zonen des Körpers besonders viel leisten muss und sich laufend in erregtem Zustand befindet. Diese Erregungen haben zur Folge, dass Leistungen auf anderen Gebieten reduziert werden und dass  das Tier viel Energie nur zur Aufrechterhaltung des Muskeltonus verwendet. Man nennt dies „parasitäre Muster“. Das bedeutet, die Kräfte des Tieres werden für Leistungen verbraucht, die im Widerspruch zu den Lebenszielen gehören. Ein wichtiges Lebensziel ist zum Beispiel die Traktilität, die Bewegungs- und Fluchtfähigkeit.
Dies kann so weit gehen, dass ein Tier zu nehmend schwächer wird und viele innere Probleme bekommt, die im Zusammenhang mit diesen Schutzmustern stehen. Dazu gehören vor allem Verdauungsprobleme oder tumorbildende Krankheiten.
Schutz- und Schonmuster ziehen also immer Angstreaktionen in Form von Aggression oder Flucht nach sich.

 

 

Die Rolle der Wirbelsäule

 

In der Wirbelsäule und dem Zentralnervensystem laufen alle Informationen des Körpers zusammen.
Deshalb ist der Blasenmeridian nach der Chinesischen Medizinlehre immer in eine manuelle Therapie miteinzubeziehen. Viele pathogene Körperspannungen zeigen sich in einer Verschiebung oder einer Blockade von Wirbelkörper. Wird der Blasenmeridian und die von ihm innervierten Muskeln behandelt, können sich auch diese Blockaden lösen.

Schutz ist für Lebewesen notwendig. Grassieren aber zu viele und teilweise unnötige Schon- und Schutzmuster, zehren diese an den Vitalkräften und an der Lebendigkeit des Tieres.
Das Arbeitsgebiet in der manuellen Therapie ist in diesem Fall: Die Balance der Spannung herauszufinden und herstellen („Tensegtity“), die Aktivität dosieren und die seelische Ruhe des Tieres zu fördern.

 

 

Ergebnis der manuellen Therapie

 

Leah hat durch eine Ernährungsumstellung, (kein Fabrikfutter mehr) eine längere osteopathische Therapie, kombiniert mit Akupunktur und  kalifornischen Blütenessenzen, eine Linderung ihrer Schmerzen erfahren. Ihre Psyche ist wieder stabilisiert. Sie ist eine umgängliche Hündin geworden. Der Stuhlgang ist wieder normal und sie nimmt mit Freude am Leben teil.